Agile Brainfood | Agile News | Events

„From Business to being“ – Kinopremiere, Eindrücke

Ich wurde letzte Woche von einem Entwickler aus einem meiner aktuellen Kundenteams auf die Premiere des Films „From Business to Being“ (Webseite ) aufmerksam gemacht. Meine Erwartungshaltung war ungefähr wie bei den Augenhöhe Filmen (Webseite) also nicht viel Neues und nicht viel Spannendes. Aber die Tatsache, dass im Film „From Business to being“ Erich Harsch und insbesondere Werner Götz (der aktuelle Geschäftsführer und der Gründer von DM Drogeriemarkt) auch in diesem Film zu sehen sind und beide eine Teilnahme an der Karlsruher Premiere angekündigt hatten, liess mich dann doch die Entscheidung treffen, diesen Abend mit diesem Film zu füllen.

Der Film

Ich will hier nur kurz ein paar Sätze und Gedanken wiedergeben, die mich während des Films angesprochen haben und Resonanz mit mir hatten. Leider kann ich nicht wortgetreu zitieren, dafür war der Kinosaal zu dunkel. (Die Notizen wurden blind und schnell gemacht!)

  • „Märkte sorgen nicht für Stabilität sondern fördern Instabilität“ – Durch die schnell ändernde Marktlage kommen immer schneller immer mehr immer auswirkungsreichere Entscheidungen auf jeden Einzelnen zu. Dies versetzt uns ausser Stande „responsiv“ zu sein und angepasst mit der Situation umgehen zu können. Wir sind nur noch „reaktiv“ – das oft ohne richtige und umfassende Informationen. Der Druck auf den Einzelnen ist immens.
  • „Die aktuelle Weltwirtschaftskrise ist eine Führungskrise“ – Weil die Märkte schnell und in unterschiedlichen Richtungen agieren, braucht es Führungspersonen, die auf Werte und Emotionen basierend Entscheidungen treffen und die Richtung weisen. Sich nur am kurzfristigen Gewinn zu orientieren, führt sehr schnell zu unmenschlichen Märkten.
  • „Hat der Mensch noch Zeit Mensch zu sein?“
  • In dieser hektischen, von Gier angetriebenen Zeit macht finanzielle Motivation (des € wegen…) die echte intrinsische Motivation kaputt. Damit verliert der Einzelne sein Ziel aus dem Blick. Da aber auch der Einzelne mit Quantitativen Zielen gesteuert und belohnt wird, die oft völlig von der Realität entkoppelt sind, kann er den Erfolg nicht mehr feiern. Dies führt dazu, dass ehemals vorhandene Werte im Einzelnen dem Quantitativen Ziel untergeordnet werden und verschwinden. Langfristig führt dies zu den heute häufiger auftretenden „Burnouts“.
  • „Wir müssen von einem Ego-System zu einem Öko-System finden“ – In der aktuellen Wirtschaftslage steht das eigene Weiterkommen als zentrale Leitschnur im Zentrum. Tatsächlich müssten wir uns dessen bewusst werden, dass wir in dem Moment, in dem wir anderen helfen unseren Stress reduzieren und einen gesunden, gemeinsamen Weg beschreiten.
  • „Verdammt, es ist schon wieder jetzt!“ – Netter Shirt – Aufdruck, der verdeutlichen soll, dass viele Menschen im Gestern nach Ursachen suchen oder Angst vor Morgen haben. Dadurch entgeht ihnen die Wahrnehmung für den JETZT Moment.
  • Die Empathie im Umgang mit unseren Mitmenschen führt soweit, dass wir körperlich und neuronal mit dem Mitmenschen in Verbindung zu sein scheinen. Dies meint, dass die Beobachtung von Schmerzen bei unseren Mitmenschen im Gehirn in den Regionen zur Erregung führt, die für Schmerzwahrnehmung verantwortlich sind. Dadurch ist deutlich, dass wir uns selbst schaden, wenn wir auf Kosten von unseren Mitmenschen im Markt agieren. Es müsste also ein gemeinschaffendes Wirtschaftssystem etabliert werden. Insbesondere führt das auch dazu, dass Jeder für sein eigenes Caring-Ökosystem verantwortlich sein muss.
  • Da wir also mit unseren Mitmenschen in Verbindung stehen, können wir auch durch aktive Hineinversetzen in den Mitmenschen dessen Wahrnehmung und Perspektive erkennen. Dies müssten wir öfter bewusst anwenden, um ggf. Entscheidungen besser und nachhaltiger treffen zu können. Die Anpassung unserer Intention an die sich ändernde Intention und Situation unseres Umfelds wird also immer wichtiger und schneller. Als Führungskraft muss ich also sehr wach und aufmerksam für solche Veränderungen am Umfeld sein.
  • Auch die Verbindung zwischen Körper und Geist wurden per Experiment verdeutlicht. Die Abwehrreaktion einer Gruppe Meditierender Menschen war signifikant höher als bei der Kontrollgruppe bei gleicher Impfung (ohne Meditation).
  • „Freiheit heisst das Recht zu haben, Verantwortung zu übernehmen!“
  • „Wahrnehmung ist Voraussetzung für Gestaltung!“
  • Wenn frühere Generationen noch Erkenntnis und Selbstversorgung als zentrale Generationsaufgabe hatten, ist die heutige Generationsaufgabe die „Weltversorgung“. D.h. Ich arbeite nicht mehr im Garten um meine Familie zu ernähren, sondern der moderne Mensch arbeitet als kleiner Teil eines internationalen Dienstleistungsnetzwerks und nur selten arbeiten wir alleine für persönliche, eigene Belange. Altruismus ist dadurch ein Erfolgsfaktor geworden.
  • Arbeiten ohne den Sinn zu sehen macht krank. Es gilt also heute aus der Informationsmenge den Fokus vom Wie? Auf das Wozu? Zu lenken. Durch Klärung der Intention und die authentische Kommunikation kann ich als Einzelner Wirkung in meinem Umfeld erzeugen.

Jetzt noch ein paar Punkte aus der anschließenden Diskussion im Kinosaal:

  • „Der Wurm soll nicht dem Angler, sondern dem Fisch schmecken!“ – Wir müssen uns am Markt ausrichten. Wenn der Markt auf Kooperation und Zusammenarbeit pocht, müssen wir Altruismus zeigen, um im Markt bestehen zu können.
  • „Die Medien schauen zu sehr auf die 140 Zeichen von Donald Trump. Wir alle sollten unseren Blick auf die Menschen legen, die im Hintergrund die eigene Welt zum Guten verändern und damit zum Vorbild werden.“
  • Führung durch Druck führt nicht mehr zum Erfolg. Unternehmer müssen durch Sog dafür sorgen, dass Mitarbeiter aus eigenem Antrieb folgen.
  • Mitarbeiter müssen der Zweck des Unternehmens sein, nicht nur das Mittel. Herr Werner hat dieses Bild auch auf Liebesbeziehungen angewendet: Wenn Sie für Ihren Partner nur das Mittel und nicht der Zweck der Beziehung sind, ergreifen Sie sofort die Flucht!
  • „Arbeit ist unbezahlbar. Einkommen ermöglicht Arbeit!“ Nur so kann ich Mitarbeiter finden, die nicht wegen des Geldes sondern wegen des Unternehmensziels etc arbeiten.
  • „Auf Erfolg muss Veränderung folgen!“ – Es darf nicht um reines Wachstum gehen, sondern um Entwicklung. Egal welches Unternehmen, es muss im Moment der Erfolgs auch die eigene Position hinterfragen, um nicht von dem sich ändernden Umfeld verschlungen zu werden.

Mein Fazit

Ich persönlich fand den Film interessant, auch wenn ich als Agiler Coach weite Teile des Wertesystems in meiner täglichen Arbeit wissen darf. Einige Passagen zum Thema Bewusstsein, Mindfulness und Meditation waren mir zu esoterisch. Leichteren Zugang kann man mit dem Buch „Search Inside Yourself“ (Amazon Link) finden, welches von Technikern für Techniker verfasst wurde. Jedoch hat mich insbesondere das inspirierende und begeisternde Auftreten von Herrn Werner wirklich beeindruckt. Aber auch ohne die Protagonisten im Kino lohnt sich der Besuch.

Ein toller Abend, der sicher viele Anwesende inspiriert hat.

 

Wer ähnliche Gedanken ganz ohne den Mindfulness Aspekt sehen möchte, sollte sich unbedingt diesen Artikel ebenfalls durchlesen.

Bild des Autors

Armin Schubert

Agiler Coach

Nach einigen Jahren in verschiedenen Führungspositionen habe ich 2012 Scrum kennengelernt und arbeite seit dieser Zeit als ScrumMaster und Agile Coach. Seit 2013 bin ich Geschäftsführer der Emendare GmbH&Co. KG und helfe Teams, Produkten und Unternehmen beim Einsatz von agilen Werten und Methoden. Insbesondere auf der Beziehungsebene des Teams sehe ich das größte Potential um positive Kräfte zu entfesseln.

armin.schubert@emendare.de

Neueste Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.