Allgemein

Jede Kommunikation hat ein Ziel.

Einleitung

Ich habe Anfang Juli vier Tage auf einem Survivaltraining im Bayrischen Wald verbracht. D.h. Ich habe ausser meinen Baumwollkleidern, einer Aluflasche und einem Messer keinerlei Gegenstände benutzt.

Schon in der Vorbereitungszeit hat mich mein ca. 10 Jahre alter Sohn gefragt, was genau ich denn im Wald tun werde. Er wollte wissen was ich geplant habe, um mich mit Wasser zu versorgen, eine Hütte zu bauen oder Feuer zu machen. Ihm war klar, dass ich mir für jedes Szenario mehrere Lösungen antrainiert habe, aber er konnte nicht nachvollziehen, dass ich nicht mit Sicherheit sagen konnte, was ich in welcher Reihenfolge tun würde. Der in Scrum so weit verbreitete Satz „Das hängt davon ab…“ kam mal wieder zum Einsatz.

Feuer machen

Feuermachen mit Magnesium Stab
Feuermachen mit Magnesium Stab

Wir hatten ziemlich genau vier Wege um ein Feuer zu starten. Feuerbohrer, Handbohren, Feuerstein und Zunder, Magnesiumstab. Alle vier Wege bedürfen einer intensiven Vorbereitung. Sammeln von Brennholz, Sammeln von Zunder, Bau eines Zundernests, Vorbereiten des Feuerplatzes und dann der Einsatz der letztendlichen Methode um Feuer zu machen.

Welche Art Feuer? Ein langes Feuer mit grossem Glutanteil um nachts die Schlafenden zu wärmen oder eher ein kleines hochbrennendes Feuer um die Kleidung zu trocknen und die Anwesenden zu wärmen.

Wo Feuer? Ein Feuer im Unterstand muss klein und flach bleiben, ein Feuer zum Abkochen von Wasser oder zum Starten einer Glut muss hochbrennen.

Wie lange muss das Feuer brennen? …

All das (und noch viel mehr, wie zum Beispiel die eigene Kondition ) hatte Einfluss auf die Entscheidung, wann wir welches Feuer mit welcher Methode gestartet haben. Oder besser welche Methode wir versucht haben.

 

Ein Team moderieren

Oft befinde ich mich als ScrumMaster in einer Situation, die sich nur durch Nuancen, von einer ähnlichen Situation unterscheidet. Aber ich brauche für beide Situationen unterschiedliche Werkzeuge und auch das Gespür, um diese beiden Situationen überhaupt im Kontext des Teams zu erkennen.

Welche Art Moderation? Schnell mal die Stimmung abfragen, um einen Check-In in das Meeting zu schaffen? oder besser eine mehrstufige Moderation mit Brainstorming, Clustering, Lösungsraum öffnen, um dann ruhig und bewusst eine Lösung durch das Team herausarbeiten lassen?

Manchmal entscheidet darüber nicht der nur der Zweck des Termins, sondern nur die Stimmung im Team oder die „gefühlten“ Eindrücke der letzten Sprinttage. Nicht selten ändert sich dies sogar innerhalb des Meetings.

Worauf kommt es nun also an?

 

Der Methodenkoffer

Natürlich muss ich als ScrumMaster einige Methoden, mit denen ich in den Teams arbeiten werde, parat haben. Neben der Basisausbildung, die aufgrund der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit sicher nur die Grundlagen legen kann, bietet sich der stetige Austausch mit den Kollegen und die Interaktion mit  der grossen, agilen Community an. Aus persönlicher Erfahrung kann ich eine weiterführende Schulung für ScrumMaster (http://scrummaster-ausbildung.de) sehr empfehlen, da dort ein grosser Teil der zur Verfügung stehenden Zeit für den realistischen Einsatz der Methoden aufgewendet wird. Damit wird der Methodenkoffer nicht nur gefüllt, sondern auch der Umgang mit den Werkzeugen geschult.

Feuermachen mit dem Feuerbohrer
Feuermachen mit dem Feuerbohrer

Von dort ist auch das Credo „Jede Kommunikation hat ein Ziel!“, welches heute meinen Arbeitsalltag bestimmt. Genau wie ich mir beim Feuerwachen in einer Survivalsituation sehr genau überlegen muss, wann, wo, wie lange und wie hoch das Feuer brennen soll, muss ich mir bei meinem Austausch mit den Teammitgliedern im Klaren darüber sein, wozu ich in die Kommunikation gehe. Bei existierenden Problemen und Spannungen gilt das dann auch tatsächlich für JEDE Kommunikation. Manchmal muss auch der „zufällige“ Talk beim morgendlichen Kaffee gut vorbereitet und wohlüberlegt sein. Genau wie es viele Methoden gibt, um Feuer zu machen, gibt es auch viele Möglichkeiten ein Gespräch zu führen… und wir als ScrumMaster sollten uns sehr wohl im Klaren darüber sein, welchen Weg das Gespräch nehmen soll.

Dass dieses Ziel im persönlichen Gespräch nicht immer erreicht werden wird, lehrt uns dann die Erfahrung. Aber ohne das gewünschte Ziel im Vorhinein zu kennen, habe ich keine Chance, dieses Ziel zufällig zu erreichen. Genau wie unsere Feuerstartversuche nur in einer sehr übersichtlichen Anzahl von Fällen von Erfolg gekrönt wurde und wir keine Hoffnung hatten, zufällig ein wärmendes Feuer in unserem Unterschlupf vorzufinden.

Bild des Autors

Armin Schubert

Agiler Coach

Nach einigen Jahren in verschiedenen Führungspositionen habe ich 2012 Scrum kennengelernt und arbeite seit dieser Zeit als ScrumMaster und Agile Coach. Seit 2013 bin ich Geschäftsführer der Emendare GmbH&Co. KG und helfe Teams, Produkten und Unternehmen beim Einsatz von agilen Werten und Methoden. Insbesondere auf der Beziehungsebene des Teams sehe ich das größte Potential um positive Kräfte zu entfesseln.

armin.schubert@emendare.de

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