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Kein gutes Team ohne gute Vision! (Teil 1)

Wozu braucht ein gutes Team eine Vision?

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen!“ Diesen Satz von Helmut Schmidt höre ich am häufigsten, wenn ich mit Leuten über Team-, Produkt- oder Unternehmensvision sprechen möchte. Wobei selbst Helmut Schmidt diesen Satz später entkräftet und als pampige Reaktion im Rahmen eines Interviews bezeichnet hat. Ich durfte Menschen kennenlernen, die sich ungern oder eher zäh mit Visionen und den damit verbundenen Gesprächen beschäftigt haben.

Dan Pink schildert in seinem phantastischen TED Talk, dass die Hauptmovitationstreiber Unabhängigkeit (das Verlangen unsere Leben selbstbestimmt zu führen), Expertise (das Verlangen in relevanten Dingen besser und besser zu werden) und Bedeutung (das Bestreben mit unserem Handeln etwas zu tun, was größer ist als wir selbst) sind.

Genau hier setzt eine gute Vision an.

Es ist wichtig und gut, detaillierte und attraktive Ziele zu haben, die an der Grenze zur Unerreichbarkeit liegen. So ist es uns möglich uns ganz darauf auszurichten und konkret unsere Weiterentwicklung als Team oder Einzelperson zu überprüfen und die entsprechenden Erfolge zu feiern. Wozu also diese „Vision“?

Eine Vision (lat. videre „sehen“) ist die Verbildlichung eines Zustands, ähnlich einer guten Zielformulierung. Sowohl zeitlich als auch in der Erreichbarkeit darf eine Vision weit über die klassischen Ziele, die man mit SMART-Kriterien überprüfen darf, hinausreichen. Das „R“ für realistisch tritt also bewusst in den Hintergrund.

Nehmen wir das Beispiel von Wikipedia:

„Imagine a world in which every single human being can freely share in the sum of all knowledge.“ (Wikipedia, https://wikimediafoundation.org/wiki/Vision)

„Stelle Dir eine Welt vor, in der jeder einzelne Mensch frei Anteil an der Summe allen Wissens haben kann!“

Diese Vision vereint einen tollen Geltungsbereich (jeder Mensch), einen tollen Wirkungsbereich (Anteilnahme an allem Wissen) und einen Anspruch (frei).

Hier wird deutlich in die Zukunft projiziert und eine langfristige, fast unerreichbar wirkende Formulierung gefunden, die über die Folge der nächsten erreichten Ziele hinweg Bestand haben wird.

Eine Vision – Wozu ist die gut?

Durch die fast unmögliche Erreichbarkeit bleibt die Vision kontinuierlich als Orientierungspunkt vorhanden. D.h. ganze Unternehmen, Roadmaps, ja sogar viel Jahre anhaltende Entwicklungspläne können sich an einer starken Vision ausrichten. Langfristig hilft es dem Mitarbeiter, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Vision wird Teil der Unternehmenskultur und begleitet den Mitarbeiter bei Entscheidungen.

Wenn ich mir über meine Ziele nicht klar bin, weiß ich nicht, in welche Richtung ich agieren soll… wenn ich mir über meine Vision nicht im Klaren bin, kann ich meine Ziele langfristig nicht daran ausrichten. Sollte das eine oder andere Ziel nicht wie geplant erreicht werden können, hilft mir die Vision dabei neue Ziele, die mich auf anderem Weg zur Vision bringen können, zu finden und diese neuen Wege dann zu beschreiten.

Durch den Wegfall der SMART Kriterien darf eine Vision auch eine emotionale Nachricht enthalten. Sie darf begeistern. Sollte sie das auch?

Wie soll ich jemanden für die Arbeit an meinen Zielen begeistern, wenn ich nicht begeistert von meinen Zielen bin?

Wie viel einfacher wird es, Leute für einzelne, vielleicht unattraktive Ziele zu begeistern, wenn die Summe aller Ziele auf eine tolle und begeisternde Vision ausgerichtet ist?

Abschliessend formuliert die Vision den Anspruch, der an die jeweilige Umgebung gestellt wird. Nehmen wir das obige Beispiel von Wikipedia:

Es muss allen Menschen zugänglich sein.

Es muss frei zugänglich sein.

Es muss die Summe allen Wissens beinhalten.

Jeder der diese drei Ansprüche liest, spürt den Anspruch und kann seinen eigene Beitrag in die richtige Richtung lenken.

In welcher Weise uns die Emendare Vision hilft, bei unseren Kunden und bei uns positive Kräfte zu entfesseln, können Sie in Kürze im zweiten Teil dieser zweitteiligen Visions-Serie lesen.

Bild des Autors

Armin Schubert

Agiler Coach

Nach einigen Jahren in verschiedenen Führungspositionen habe ich 2012 Scrum kennengelernt und arbeite seit dieser Zeit als ScrumMaster und Agile Coach. Seit 2013 bin ich Geschäftsführer der Emendare GmbH&Co. KG und helfe Teams, Produkten und Unternehmen beim Einsatz von agilen Werten und Methoden. Insbesondere auf der Beziehungsebene des Teams sehe ich das größte Potential um positive Kräfte zu entfesseln.

armin.schubert@emendare.de

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