Buchstrudel – Methodenbeschreibung

Ich hatte meinen ersten Kontakt zum Buchstrudel, oder Swashbooking wie er im englischen Original heisst, im Rahmen meiner Berufsbegleitenden ScrumMaster Ausbildung.

Die Methode begeisterte mich derart, dass ich seit dieser Zeit immer Mal wieder Scrum User Group Treffen organisiere, um Bücher zu strudeln!

Was ist denn ein Buchstrudel?

Erfunden wurde die Methode von James Marcus Bach um mit seinem Bruder eine Art Wettbewerb zu starten, wer in einer vorgegebenen Timebox die meisten Informationen aus einem Buch ziehen kann.

Nachdem der Name „Swashbooking“ doch sehr sperrig ist, habe ich die Methode einfach mal Buchstrudel genannt.

Die Methode hat drei Hauptziele:

  1. Bücher schnell erfassen und eine Meinung bilden
  2. Networking und Spass
  3. Eigene Moderations- und Ergebnisssicherungsskills üben

Im Buchstrudel lesen also viele Leute in ihnen unbekannten Büchern und teilen danach Ihre Eindrücke.

Was wird für einen Buchstrudel benötigt?

Für einen Buchstrudel wird folgendes benötigt:

  • ca. 1h Zeit pro Buchstrudel, nach 2 Buchstrudeln ist erfahrungsgemäß die Luft ein wenig raus
  • Jeder Teilnehmer bringt ein oder zwei Bücher mit, die er und die anderen Teilnehmer noch nicht gelesen haben.
  • Schreibutensilien für jeden Teilnehmer, damit sich jeder Teilnehmer Notizen machen kann
  • einen Timer zum Absichern der Timeboxen
  • Eine Flipchart und Stifte zu nachfolgenden Ergebnissicherung
  • (Knabberzeug und Getränke haben sich als hilfreich erwiesen!)

Wie geht das genau?

Eine Gruppe von Menschen trifft sich und jeder hat ein Buch dabei, dass er selbst noch nicht gelesen hat. Idealerweise sind alle Bücher allen Teilnehmern unbekannt. Ideale Gruppengröße liegt zwischen vier und acht Teilnehmern, bei mehr als acht Teilnehmern würde ich die Gruppe teilen.

Die Bücher werden auf dem Tisch ausgebreitet und jeder nimmt sich eines. Der Moderator startet den Timer und jeder Teilnehmer liest in dem gewählten Buch für 10 Minuten. Der eine beginnt mit dem Inhaltsverzeichnis, einer scant den Klappentext, einer sucht sich Bilder oder Zitate usw. Alle Teilnehmer machen sich Notizen über Ihre Eindrücke und beantworten für sie die Frage, in welche Kategorie das Buch fällt:

Must have – ein Nachschlagewerk, das ich nach dem ersten Lesen auch weiterhin in meinem Regal haben muss, um immer mal wieder Inspiration und Wissen daraus zu ziehen.

Must read – ein Buch, das sich sicher zu Lesen lohnt, dann aber nicht mehr weiter wichtig ist.

Don´t read – ein Buch, das sich zu Lesen nicht lohnt.

Nach zehn Minuten mit dem ersten Buch klingelt der Timer und die Bücher werden an den Nachbarn weitergegeben. Jetzt hat jeder ein anderes Buch, das vorher schon mal jemand für 10 Minuten bearbeitet hat. Wieder lesen die Teilnehmer in dem Buch, machen sich Notizen und sammeln Ihre Eindrücke.

Dies wiederholt man jetzt so oft, bis jeder Teilnehmer jedes Buch hatte. Dies kann bei grossen Gruppen echt zeitaufwändig werden, weswegen wir bei unseren letzten Buchstrudelabenden so verblieben sind, dass wir nach 3 Leseblöcken bereits ausgewertet haben.

Die Auswertung ist nichts anderes als die Sammlung aller Eindrücke durch einen Freiwilligen am Flipchart. D.h. jeder trägt seine Eindrücke zum jeweiligen Buch vor, während diese auf dem Flipchart gesammelt werden. So entsteht zu jedem Buch eine Seite mit dem Eindrücken der Teilnehmer. Natürlich ist auch die Einschätzung der drei Buchkategorien (Must Have, Must Read, Don´t read) zentrale Bestandteil der Auswertung, so dass zu jedem Buch ein klares, prägnantes Meinungsbild vorliegt. Jeder Teilnehmer kann also sehen, wie das jeweilige Buch bewertet wurde, und kann eine ungefähre Vorstellung vom Inhalt des Buches mitnehmen. Hier ist Raum für Austausch, weitere Buchempfehlungen und natürlich für die Diskussion der persönlichen Eindrücke.

Sollten jetzt noch Energie und Bücher für eine zweite Runde vorhanden sein … Viel Spass!

Ich selbst bin immer wieder begeistert, wie viel man über ein Buch in so kurzer Zeit erfahren kann und wie viel Begeisterung und Energie diese Methode in der Gruppe weckt. Es macht echt Spass, sich mit ein (Un-)Bekannten ein paar Bücher anzuschauen und dabei sowohl den Mensch als auch das Buch etwas näher kennenzulernen.

Tipps und Erfahrungen:

  • Wir haben unseren Abenden immer ein Thema gegeben, um einen groben Rahmen vorzugeben. So dass ich z.B. ein Buchstrudel zum Thema Scrum und Agile Methoden eingeladen habe. Da soll sicherstellen, dass die Bücher auch für den Teilnehmerkreis interessant sind.
  • Wenn jeder Teilnehmer auch an der Ergebnissicherung am Plipchart mitarbeitet, ist die „Last“ gleich verteilt und jeder kann sich in Moderation und Ergebissicherung üben.
  • Schon zwei Buchstrudel an einem Abend sind echt anstrengend. Macht ausgedehnte Pausen und nutzt den Abend auch zum Kennenlernen der Teilnehmer.
  • Je unterschiedlicher der Hintergrund der Teilnehmer, je spannender das Ergebnis.
  • Schon ab einer Gruppengröße von 4 Teilnehmern macht das richtig Spass!
  • Ein Buchstrudel in einem Entwicklungsteam fördert nicht nur den Austausch zu fachlichen Themen sondern auch das Teambuilding.

 

Es bereitet mir grosse Freude von anderen Buchstrudeln zu hören. Bitte probiert die Methode aus, passt sie auf Eure Bedürfnisse an und lasst mich an Euren Erkenntnissen teilhaben.

Danke

armin