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Wir schätzen in Komplexität! (Or don’t we?)

Welche Bedeutung Storypoints wirklich haben

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„Wenn ein Lineal ein Werkzeug ist, um das Maß Länge in der Einheit cm zu messen,
dann ist Planning Poker ein Werkzeug, um das Maß Bauchgefühl in der Einheit Storypoints zu messen.“

– Veit Richter 🙂

Motivation

Sowohl in Trainings, als auch im Alltag eines agilen Teammitglieds, stolpern einige irgendwann einmal über Storypoints und deren Bedeutung. Vor kurzem fragte mich ein Teilnehmer in einem Training: „Mit Storypoints misst man doch nur die Komplexität eines Items oder?“

Viele unserer agilen Werkzeuge, welche wir tagtäglich benutzen, sind nicht im Standardset von Scrum vorhanden. Und ich finde das auch gut so. Der Scrumguide ist (und bleibt dies auch bestimmt) ein Minimalset von Rollen, Artefakten und Events, welche nötig sind um eine Scrumimplementation zu starten und beizubehalten.
„Easy to Learn, Hard to Master“ ist eines der ersten Sprüche die mir in den Kopf kommen, wenn ich die kurzen 14 Seiten des Scrumguides anschaue.
Viele Werkzeuge und Prozesse drum herum haben sich als „Good Practices“ etabliert und werden dennoch von Vielen als Standard-Scrum angesehen. User Stories, Story Points und Planning Poker gehören hier zu diesen Good Practices.

Eine Auslegung davon, was man genau mit Storypoints misst hat mich hier nachwirkend beeinflusst. Als ScrumMaster durfte ich damals mit Björn Stieler von diva-e zusammenarbeiten. Björn war damals für eines meiner Teams als PO unterwegs und teilte mir seinen Blick auf Storypoints:

Die 3 Sichten auf Storypoints

Storypoints sind eine Mischung aus Aufwand, Risiko und Komplexität, kurz gesagt das Bauchgefühl derjenigen, die es umsetzen. Eine „13“ Kann also bedeuten,

  • dass man eine einfache Änderung im Code hat, jedoch jetzt schon weiß, dass zum Beispiel aufgrund schlechter Wartbarkeit Code an zig Stellen angepasst werden muss. Somit die hohe Schätzung aufgrund eines hohen Aufwands zu Stande kommt.
  • dass eine Änderung innerhalb von 10 Minuten umgesetzt sein müsste, der Schätzende die Stelle im Code aber schon kennt und weiß, dass hier kleine Änderungen viele andere Baustellen aufreißen könnten
  • dass es sich um ein neues unbekanntes Feature handelt und die tatsächliche Komplexität hoch ist.

Gerade für Teams die noch sehr am Anfang ihrer agilen Reise stehen schätze ich dieses Modell. Es hilft dabei schneller in das Thema des Schätzens zu kommen und gemeinsam ein besseres Gefühl für die Einheit der Storypoints zu entwickeln.

Der Wert von Storypoints

Die tatsächliche „Schätzung“ ist und bleibt nur das Abfallprodukt eines Refinements oder Planning Pokers. Der primäre Nutzen liegt in der Kommunikation und dem Austausch innerhalb des Teams.

Ein Beispiel:
Hannah und Hans schätzen für ein und dasselbe Feature einmal eine 1 und einmal eine 13.  Hannah verteidigt ihre 13 mit einer komplexen technischen Idee, um besagtes Feature zu integrieren. Gleichzeitig weißt sie darauf hin, dass man hier noch ein Refactoring machen müsse um weiterhin eine hohe Wartbarkeit zu garantieren.
Hans hingegen, kennt eine fertige Implementation aus einem Forum. An das Refactoring hatte er hingegen nicht gedacht.
Beide haben also die Möglichkeit hier etwas voneinander zu lernen. Ob die tatsächliche Schätzung nun 1 Storypoint oder 300 Gummibärchen sind ist minder relevant.

Würdest auch du gern einmal ein Refinement deines Teams reflektieren und hier mehr lernen? Komm doch gern auf uns zu, oder starte den „Next Step“ auf deiner Reise mit einem „Advanced CSM“ oder „Advanced CSPO“.

Bild des Autors

Veit Richter

Agile Coach

Gerne begleite ich Ihre Teams sowohl beim Lernen agiler Praktiken, als auch auf ihrem Weg zur High-Performance. Dabei unterstütze ich sie mit pragmatischen Lösungsstrategien und biete neben meiner Skalierungserfahrung auch Impulse zum Entfesseln positiver Kräfte.

veit.richter@emendare.de

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